REPCHANCE EUROPE published (press release)

Immigrant-origin members of parliament (MPs) remain persistently underrepresented in key European countries, according to the recent REPCHANCE Europe study funded by the Robert Bosch Stiftung. The research on five European democracies—Germany, the Netherlands, Spain, Switzerland, and the UK—reveals that, despite modest progress over the past decade, the share of immigrant-origin MPs continues to fall significantly short of reflecting their share of the population in each country.

The study highlights stark disparities in representation. The Netherlands leads with the highest proportion of immigrant-origin MPs at 19%, followed by the UK at 15%, Switzerland at 14%, and Germany at 11%. In contrast, Spain lags behind with just 2%. While representation has increased in all five countries since 2012, the pace of progress has been uneven. Germany saw the most significant rise (+7 percentage points), while Spain made minimal gains. The UK and Switzerland experienced modest improvements of 4 and 2 percentage points, respectively.

Professor Dr. Andreas Wüst, coordinator of the comparative study and study director for Germany, noted, “The issue is not about achieving exact proportional representation but ensuring fair opportunities for all. Political parties need to ensure equal political opportunities for the immigrant-origin population, yet several parties still have significant deficits pertaining to candidates, representatives and office holders.“

Political Affiliation and Barriers to Political Aspirations

The REPCHANCE Europe study reveals that immigrant-origin MPs are more likely to affiliate with left-leaning parties, especially in Germany and Switzerland, and to a lesser extent in the UK and in the Netherlands. The decision to pursue political office is often influenced by growing up in politically engaged families, but mobilization by party officials often triggers a candidacy. However, election success largely depends on factors like party list placement and the likelihood of winning constituencies.

Once in office, immigrant-origin MPs often face systemic and personal barriers, including discrimination, hate speech, and being instrumentalized for symbolic purposes, the study finds. Women, in particular, confront the compounded challenges of racism and sexism. Additionally, immigrant-origin politicians are often expected to focus on migration and integration issues, which is neither the intention of many nor of benefit for their broader political ambitions, as their expertise is confined to a limited range of topics.

Policy Recommendations for Enhanced Political Inclusion

To address these challenges, the researchers propose concrete policy measures. These range from an expansion of voting rights and educational initiatives on how politics and the political system works to demands on parties to guarantee equal opportunities. Dr. Ferdinand Mirbach, Senior Expert in the Immigration Society team at the Robert Bosch Stiftung, emphasized, “Increasing political representation of immigrant-origin communities is essential for a functioning democracy. Political parties, civil society, and institutions must actively create opportunities and remove barriers to ensure that a variety of voices are heard in decision-making.“ In order to improve political representation, study authors call for stronger anti-discrimination measures, improved recruitment and training processes within political parties, and robust protective measures against hate speech and violence targeting minority politicians.

Link to REPCHANCE EUROPE

Buchbeitrag zu Karrieren von Politiker:innen mit Migrationshintergrund veröffentlicht

Der Beitrag beschäftigt sich mit der parlamentarischen Repräsentation von Abgeordneten mit Migrationshintergrund im Deutschen Bundestag. Nach einer Bestandsaufnahme der parlamentarischen Präsenz (deskriptive Repräsentation) von 2013 bis 2021 werden die Karriereverläufe dieser Abgeordneten näher untersucht. Zum einen werden thematische Schwerpunktsetzungen (substanzielle Repräsentation) und die Übernahme von Führungsaufgaben in Parlament und Fraktionen analysiert, zum anderen die Fortsetzung und das Ende der parlamentarischen Karrieren von Abgeordneten mit Migrationshintergrund. Die Beschäftigung mit möglichen Faktoren für ein Ausscheiden aus dem Parlament lässt die Autoren schlussfolgern, dass Konflikte aufgrund eines anderen persönlichen Hintergrunds eine untergeordnete Rolle für das Ende dieser parlamentarischen Karrieren spielen.

Link zum Buchbeitrag mit Henning Bergmann.

REPCHANCE-Studie veröffentlicht (Pressemeldung)

Obwohl der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland kontinuierlich wächst, sind sie in Bundestag und Landesparlamenten nach wie vor unterrepräsentiert. Daran ändert sich auch durch die jüngsten Landtagswahlen nichts. Die von der Robert Bosch Stiftung geförderte REPCHANCE-Studie zeigt, dass zwischen gesellschaftlicher Realität und politischer Repräsentation nach wie vor eine teils beträchtliche Lücke besteht.

Während in der deutschen Bevölkerung mehr als jeder Vierte einen Migrationshintergrund hat, sind es unter den Abgeordneten des Bundestags nur 11,4 Prozent. Größer ist die Diskrepanz in den Landesparlamenten – dort haben sie einen Anteil von nur 7,3 Prozent. Besonders auffällig ist die Unterrepräsentation im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen. Lediglich in den Stadtstaaten ist die Zahl Abgeordneten zumindest etwas höher als der Anteil der wahlberechtigten Bevölkerung mit Migrationshintergrund. So besitzen beispielsweise 21,1 Prozent der Abgeordneten in der Hamburger Bürgerschaft einen Migrationshintergrund.

Ursachen der Unterrepräsentation

„Wir sind im Dialog mit den Abgeordneten der Frage nachgegangen, welche Umstände ihre Karriere ermöglicht, welche förderlich waren und welche ihnen im Weg standen“, erklärt Prof. Dr. Andreas Wüst, Professor für Politikwissenschaft an der Hochschule München und Leiter der REPCHANCE-Studie. Es sei erstaunlich, so der Forscher, dass größere, stark formalisierte Förderprogramme von vielen Befragten kaum genutzt und teils kritisch betrachtet werden. „Viel erfolgsversprechender sind persönliche Mentoring-Beziehungen, die individuell und auf Vertrauensbasis entstehen“, so Wüst. Oft trauen sich politisch Interessierte mit Einwanderungsgeschichte nicht zu, für ein Mandat oder Amt zu kandidieren, auch weil detaillierteres Wissen über politische Prozesse fehlt. „Motivation, Mobilisierung und Unterstützung für eine Kandidatur und während der späteren politischen Arbeit sind für diese Gruppe sehr wichtig – umso mehr zu Zeiten von Hate Speech und Bedrohungen“, erläutert Professor Wüst. Zusätzlich zur detaillierten Bestandsaufnahme der Repräsentation haben die Forschenden 77 Leitfadeninterviews auf sämtlichen politischen Ebenen geführt, um mehr über Faktoren für parlamentarische Karrieren zu erfahren.

Instrumentalisierung und Diskriminierung im politischen Alltag 

Seit 1990 steigt der Anteil von Abgeordneten mit Migrationshintergrund auf Bundes- und Landesebene kontinuierlich an. Doch etliche Personen, die es ins Parlament geschafft haben, berichten, dass sie trotz anderer fachlicher Expertise eher Migrations- oder Integrationsthemen „zugewiesen“ bekommen. Und trotz der Wahrnehmung einer größeren Offenheit in den jeweiligen Parteien sagt über die Hälfte der befragten Abgeordneten, dass es in der eigenen Fraktion Strukturen und Gewohnheiten gibt, die Personen mit Einwanderungsgeschichte benachteiligten. Solche Erfahrungen belasten nicht nur den politischen Alltag, sondern tragen auch zu einem Gefühl der Geringschätzung bei und sind mit Blick auf das politische Engagement demotivierend.

Zur REPCHANCE-Studie.

Wahlbeteiligung und Parteiwahl von Menschen mit Migrationshintergrund

In zwei Beiträgen für die Bundeszentrale für politische Bildung habe ich mich (erneut) mit dem Wahlverhalten von Einwander:innen und ihren unmittelbaren Nachkommen beschäftigt. Über 20 Jahre nach meiner ersten Bestandsaufnahme lassen sich auf der Grundlage etlicher jüngerer Befunde sowohl Trends identifizieren, als auch – leider nach wie vor – Datenlücken feststellen.

Zum Beitrag über Partizipation.

Zum Beitrag über politische Präferenzen.

Artikel zu Jungwähler:innen bei der Bundestagswahl 2021 veröffentlicht

In einem Beitrag in Heft 40 (3) für German Politics and Society habe ich mich mit dem Wahlverhalten der jüngeren Wähler:innen unter 35 Jahren beschäftigt. Dabei ging es um die Frage, inwieweit diese Wähler:innen, die im Gegensatz zu den älteren Kohorten vor allem Bündnis 90/Die Grünen und FDP gewählt haben, Trendsetter waren bzw. sind.

Dabei zeigt sich, dass diese Wähler:innen zwar in besonderer Weise die Politik der Parteien der Großen Koalition abgelehnt haben, einen Modernisierungsstau identifizierten und Olaf Scholz seltener als Kanzler präferierten, dass es aber sowohl im Hinblick auf Themen und Lösungskompetenzen, als auch auf die Kanzlerkandidatin Baerbock erhebliche Differenzen zwischen „Grün“ und „Gelb“ gab und gibt, die die dritte Partnerin der neuen Ampelkoalition, die SPD, in Position zwischen diese beiden Parteien bringt. Die laufende Legislaturperiode birgt demnach Spannungen zwischen Grün und Gelb, nicht nur bei den jüngeren Wähler*innen. Von einem Trend lässt sich daher kaum sprechen.